Formate und Codecs

PAL und NTSC: Was die alten Fernsehnormen heute noch bedeuten

Warum europäische Videos 25 Bilder pro Sekunde haben, amerikanische knapp 30, und was das für Kassetten aus Übersee bedeutet.

Wer alte Videos digitalisiert, stößt früher oder später auf die Kürzel PAL und NTSC. Sie stehen für analoge Farbfernsehnormen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Auch wenn das analoge Fernsehen längst abgeschaltet ist, prägen sie bis heute Auflösungen und Bildraten. Und wer eine Kassette aus den USA geerbt hat, merkt schnell, dass sie auf einem deutschen Rekorder nicht einfach läuft.

Die Normen im Vergleich

Merkmal PAL NTSC
Verbreitung Deutschland, große Teile Europas, Australien, Teile Asiens und Afrikas USA, Kanada, Japan, Teile Lateinamerikas
Zeilen gesamt 625 525
Sichtbare Zeilen (digital) 576 480
Halbbilder pro Sekunde 50 ca. 59,94
Vollbilder pro Sekunde 25 ca. 29,97
Digitale Auflösung (SD) 720 × 576 720 × 480
Netzfrequenz der Region 50 Hz 60 Hz

Die Bildrate folgt der Netzfrequenz: In Europa mit 50 Hertz Wechselstrom entstanden 50 Halbbilder pro Sekunde, in Nordamerika mit 60 Hertz knapp 60.

Wie die Farbe übertragen wird

Der Name PAL steht für Phase Alternating Line. Das Verfahren wurde in Deutschland entwickelt und mit dem Start des Farbfernsehens 1967 eingeführt. Es dreht die Phase des Farbsignals von Zeile zu Zeile, wodurch sich Farbfehler bei der Übertragung gegenseitig ausgleichen. NTSC, benannt nach dem National Television System Committee in den USA, war älter und anfälliger für Farbverschiebungen. Fernseher hatten deshalb oft einen Regler für den Farbton.

Für digitale Dateien spielt die Farbübertragung keine Rolle mehr. Sie ist aber der Grund, warum ein Grabber, der auf die falsche Norm eingestellt ist, ein Schwarz-Weiß-Bild oder falsche Farben liefert.

NTSC-Kassetten in Europa abspielen

Eine NTSC-Kassette enthält ein anderes Signal als eine PAL-Kassette, obwohl die Kassette gleich aussieht. Ein einfacher PAL-Rekorder spielt sie nicht oder nur mit gestörtem Bild ab. Es gibt drei Lösungen:

  1. Rekorder mit NTSC-Wiedergabe: Viele europäische Geräte, besonders Multinorm- und höherwertige Modelle, spielen NTSC ab. Sie geben das Signal oft als NTSC 4.43 oder PAL 60 aus. Das Etikett „NTSC Playback“ am Gerät oder in der Anleitung gibt Auskunft.
  2. Grabber mit NTSC-Unterstützung: Der Grabber muss das Signal verstehen und in der Software auf NTSC eingestellt werden. Bei PAL 60 kann die Erkennung schwierig sein, ausprobieren lohnt sich.
  3. Echter NTSC-Rekorder: Ein Gerät aus den USA liefert reines NTSC, benötigt aber eine passende Stromversorgung und einen Grabber, der NTSC verarbeitet.

Nehmen Sie NTSC-Material in 720 × 480 Bildpunkten mit 29,97 Bildern pro Sekunde auf. Rechnen Sie es nicht schon bei der Aufnahme auf PAL um, das verschlechtert Bewegungen.

Zeilensprung: das gemeinsame Erbe

PAL und NTSC übertragen jedes Bild in zwei Halbbildern: erst die ungeraden, dann die geraden Zeilen. Dieses Zeilensprungverfahren (Interlacing) sorgte auf Röhrenfernsehern für flüssige Bewegung bei geringer Bandbreite. Auf modernen Bildschirmen zeigt es sich als Kammlinien. Beim Digitalisieren muss es deshalb entfernt werden. Wie das geht, beschreibt der Ratgeber Deinterlacing.

PAL und NTSC in der digitalen Welt

Auch nach dem Ende des analogen Fernsehens wirken die Normen nach:

  • DVDs gibt es in PAL- und NTSC-Ausführung, mit 720 × 576 bei 25 Bildern pro Sekunde beziehungsweise 720 × 480 bei 29,97. Viele Player in Europa geben beide aus.
  • Kameras bieten Bildraten wie 25 und 50 für PAL-Regionen und 29,97 und 59,94 für NTSC-Regionen an. Unter künstlichem Licht kann die falsche Rate flimmern.
  • Schnittprojekte sollten die Bildrate des Materials übernehmen. Mischen Sie PAL- und NTSC-Material, entscheiden Sie sich für eine Rate und lassen Sie das Programm umrechnen.

Umrechnen mit ffmpeg

Müssen Sie NTSC-Material auf 25 Bilder pro Sekunde bringen, etwa für ein gemeinsames Projekt mit PAL-Aufnahmen, geht das nach dem Deinterlacing so:

ffmpeg -i ntsc.mkv -vf "bwdif,fps=25" -c:v libx264 -crf 18 -c:a aac -b:a 192k ntsc-25p.mp4

Die Umrechnung lässt einzelne Bilder weg, was bei schnellen Schwenks zu leichtem Ruckeln führen kann. Behalten Sie deshalb die Originalaufnahme.

Bezug zum Digitalisieren

Für fast alle Kassetten aus deutschen Haushalten gilt PAL: 720 × 576, 25 Bilder pro Sekunde, Seitenverhältnis 4:3. Diese Einstellungen stehen auch im Ratgeber VHS digitalisieren. Nur bei Kassetten aus Übersee oder von Reisen nach Nordamerika oder Japan lohnt ein genauerer Blick auf die Hülle. Weitere Grundlagen erklärt der Ratgeber Videoformate und Codecs.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Kann ich eine amerikanische VHS-Kassette in Deutschland abspielen?
Nur mit einem Rekorder, der NTSC-Wiedergabe unterstützt. Viele europäische Geräte geben NTSC-Kassetten als sogenanntes NTSC 4.43 oder PAL 60 aus. Ob Fernseher oder Grabber dieses Signal verarbeiten, ist unterschiedlich. Ein reiner PAL-Rekorder zeigt nur ein gestörtes Bild.
Was ist SECAM?
SECAM ist eine dritte analoge Farbfernsehnorm, die unter anderem in Frankreich und in Teilen Osteuropas verbreitet war. Sie arbeitet wie PAL mit 625 Zeilen und 25 Bildern pro Sekunde, überträgt die Farbe aber anders.
Spielt PAL oder NTSC bei digitalen Dateien noch eine Rolle?
Bei der Farbübertragung nicht mehr, wohl aber bei Auflösung und Bildrate. Digitalisierte PAL-Videos haben 25 Bilder pro Sekunde, NTSC-Videos 29,97. Beim Schnitt sollten Sie die Bildrate des Projekts an das Material anpassen.
Warum 29,97 und nicht 30 Bilder pro Sekunde?
Bei der Einführung des Farbfernsehens in den USA wurde die Bildrate leicht gesenkt, um Störungen zwischen Farb- und Tonträger zu vermeiden. Seitdem arbeitet NTSC mit 30000/1001, also etwa 29,97 Bildern pro Sekunde.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Munich Vision. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.