Formate und Codecs

Deinterlacing: Zeilensprung bei alten Videos richtig entfernen

Kammlinien bei Bewegungen sind kein Defekt: wie Sie den Zeilensprung von VHS, DV und DVD sauber entfernen und welches Verfahren wofür taugt.

Wer zum ersten Mal eine digitalisierte VHS-Kassette am Computer ansieht, wundert sich oft über feine Querstreifen an allen bewegten Kanten. Das ist kein Fehler der Aufnahme. Es ist der Zeilensprung, ein Prinzip des analogen Fernsehens. Dieser Ratgeber erklärt, was dahinter steckt und wie Sie es richtig entfernen.

Was Zeilensprung bedeutet

Analoges Fernsehen übertrug ein Bild nicht auf einmal, sondern in zwei Hälften. Zuerst kamen alle ungeraden Zeilen, dann alle geraden. Jede Hälfte, ein sogenanntes Halbbild, wurde zu einem eigenen Zeitpunkt aufgenommen. Bei PAL entstanden so 50 Halbbilder pro Sekunde. Der Röhrenfernseher zeigte sie nacheinander, das Auge sah eine flüssige Bewegung.

Ein moderner Bildschirm zeigt dagegen Vollbilder. Werden zwei Halbbilder, die 1/50 Sekunde auseinanderliegen, einfach ineinandergeschoben, passen die Zeilen bei Bewegung nicht zusammen. Es entstehen die typischen Kammlinien. Betroffen sind VHS, Hi8, Video8, MiniDV, DVD-Aufnahmen von Rekordern und viele ältere HD-Camcorder mit 1080i.

Die Verfahren im Überblick

Verfahren Prinzip Qualität Tempo Verfügbar in
Weave Halbbilder ineinanderschieben Kammlinien bei Bewegung sofort jedem Player
Bob jedes Halbbild auf volle Höhe strecken flüssig, leichtes Flimmern schnell vielen Playern
yadif Bewegung erkennen, Lücken klug füllen gut schnell ffmpeg, HandBrake, OBS, VLC
bwdif Weiterentwicklung mit besserer Interpolation gut bis sehr gut schnell ffmpeg, HandBrake
QTGMC Bewegungskompensation über mehrere Bilder sehr gut langsam AviSynth, VapourSynth

Für die meisten Zwecke sind yadif und bwdif völlig ausreichend. QTGMC gilt unter Archivaren als besonders hochwertig, braucht aber eine Skriptumgebung und viel Rechenzeit. Es lohnt sich für wertvolles Material, bei dem jede Verbesserung zählt.

50p oder 25p?

Aus 50 Halbbildern pro Sekunde lassen sich zwei Ergebnisse erzeugen:

  • 50p: Aus jedem Halbbild wird ein Vollbild. Die zeitliche Auflösung bleibt erhalten, Bewegungen wirken so flüssig wie damals am Fernseher. Die Datei wird etwas größer.
  • 25p: Je zwei Halbbilder werden zu einem Vollbild zusammengeführt. Die Hälfte der Bewegungsinformation geht verloren, schnelle Bewegungen können ruckeln. Die Datei wird kleiner.

Für Familienvideos mit spielenden Kindern, Sport oder Kameraschwenks ist 50p meist die bessere Wahl. Für ruhige Aufnahmen oder sehr kleine Dateien reicht 25p.

Deinterlacing mit ffmpeg

# bwdif, ein Vollbild je Halbbild (50p)
ffmpeg -i kassette.mkv -vf "bwdif=mode=send_field" -c:v libx264 -crf 18 -c:a aac -b:a 192k kassette-50p.mp4

# yadif, ein Vollbild je Bild (25p)
ffmpeg -i kassette.mkv -vf "yadif=mode=send_frame" -c:v libx264 -crf 18 -c:a aac -b:a 192k kassette-25p.mp4

Weitere Befehle stehen im Ratgeber ffmpeg für Einsteiger.

Die Halbbildreihenfolge prüfen

Ein häufiger Fehler ist die falsche Halbbildreihenfolge. Das Material beginnt entweder mit dem oberen Halbbild (Top Field First, TFF) oder mit dem unteren (Bottom Field First, BFF). PAL-DV von MiniDV-Camcordern ist üblicherweise BFF, Aufnahmen über viele Grabber und DVDs meist TFF. Stimmt die Angabe nicht, ruckeln Bewegungen vor und zurück.

  1. Automatisch prüfen: Mit ffmpeg -i datei.mkv -vf idet -frames:v 500 -an -f null - schätzt ffmpeg die Reihenfolge und gibt sie am Ende aus.
  2. Bei Bedarf festlegen: Mit dem Filter setfield=tff oder setfield=bff vor dem Deinterlacing die richtige Reihenfolge setzen.
  3. Ergebnis kontrollieren: Eine Szene mit gleichmäßiger Bewegung Bild für Bild ansehen. Bewegungen müssen stetig in eine Richtung laufen.

Häufige Fehler

Schon bei der Aufnahme deinterlacen. OBS und manche Grabber bieten das an. Besser ist es, die Halbbilder unverändert aufzunehmen und erst beim Umwandeln zu entfernen. So können Sie später ein besseres Verfahren wählen. Die Aufnahme beschreibt der Ratgeber VHS digitalisieren.

Skalieren vor dem Deinterlacing. Wird ein interlaced Video in der Höhe skaliert, vermischen sich die Halbbilder und lassen sich nicht mehr sauber trennen. Immer zuerst deinterlacen, dann skalieren.

Film-Scans deinterlacen. Super-8-Scans und Videos von modernen Kameras mit progressiver Aufnahme haben keinen Zeilensprung. Ein Deinterlace-Filter verschlechtert hier nur das Bild.

Doppeltes Deinterlacing. Wurde ein Video bereits bearbeitet, prüfen Sie zuerst, ob noch Kammlinien vorhanden sind.

Bezug zu den Fernsehnormen

Woher die 50 Halbbilder stammen und warum amerikanische Videos knapp 60 haben, erklärt der Ratgeber PAL und NTSC. Den Überblick über Formate, Codecs und Auflösungen gibt der Ratgeber Videoformate und Codecs.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie erkenne ich, ob mein Video interlaced ist?
Halten Sie das Video an einer Stelle mit schneller Bewegung an. Sehen Sie an Kanten feine, versetzte Querlinien wie bei einem Kamm, ist es interlaced. ffmpeg kann das mit dem Filter idet auch automatisch schätzen.
50p oder 25p, was ist besser?
50p erhält die volle Bewegungsinformation, weil aus jedem Halbbild ein Vollbild wird. Bewegungen wirken flüssiger. 25p halbiert die Bildzahl, die Datei wird kleiner und manche Geräte kommen besser damit zurecht. Für Familienvideos mit viel Bewegung ist 50p meist die bessere Wahl.
Was bedeutet Halbbildreihenfolge?
Sie legt fest, ob das Halbbild mit den oberen oder den unteren Zeilen zuerst kommt. PAL-DV beginnt meist mit dem unteren Halbbild, viele andere Quellen mit dem oberen. Eine falsche Angabe führt zu ruckelnden, zitternden Bewegungen.
Muss ich bei Super-8-Scans deinterlacen?
Nein. Filmscanner erfassen jedes Filmbild einzeln als Vollbild. Deinterlacing würde die Qualität nur verschlechtern. Es betrifft nur Videos, die ursprünglich im Fernsehformat aufgenommen wurden.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Munich Vision. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.