Videos unter Linux

Shotcut vs. Kdenlive vs. OpenShot: Freie Schnittprogramme im Vergleich

Drei kostenlose, quelloffene Schnittprogramme für Linux, Windows und Mac: Wo sie sich unterscheiden und welches zu wem passt.

Wer Videos unter Linux schneiden möchte und dafür kein Geld ausgeben will, landet fast immer bei einem von drei Programmen: Kdenlive, Shotcut oder OpenShot. Alle drei sind freie Software und laufen auch unter Windows und macOS. In Bedienung und Funktionsumfang unterscheiden sie sich aber deutlich. Dieser Vergleich hilft bei der Wahl. Den Überblick über Linux-Videowerkzeuge gibt der Ratgeber Videos unter Linux schneiden.

Die drei Programme auf einen Blick

Merkmal Kdenlive Shotcut OpenShot
Projekt KDE Meltytech OpenShot Studios
Technische Basis MLT-Framework, Qt MLT-Framework, Qt libopenshot, Qt/Python
Betriebssysteme Linux, Windows, macOS Linux, Windows, macOS Linux, Windows, macOS
Bedienung umfangreich, viele Bereiche schlank, Bereiche nach Bedarf sehr einfach
Spuren beliebig viele beliebig viele beliebig viele
Proxy-Clips ja ja eingeschränkt
Titel eigener Titel-Editor Textfilter, einfache Titel Vorlagen, Blender-Animationen
Farbkorrektur umfangreich, Scopes gut, Scopes einfach
Untertitel eigene Spur, SRT Untertitel-Spur, SRT über Titel
Formatunterstützung sehr breit sehr breit, ohne Import-Umwandlung breit
Eignung längere Projekte schnelles Arbeiten, viele Formate Einsteiger, kurze Clips

Kdenlive: der Funktionsreiche

Kdenlive ist das umfangreichste der drei Programme. Es bietet mehrere Arbeitsbereiche, einen eigenen Titel-Editor, Keyframes für fast alle Effekte, Farbkorrektur mit Messwerkzeugen, eine Untertitelspur und Proxy-Clips für flüssiges Arbeiten mit großem Material. Wer längere Projekte schneidet, etwa einen Urlaubsfilm aus vielen Clips oder eine Dokumentation alter Familienvideos, findet hier alles Nötige.

Der Einstieg braucht etwas Zeit, weil die Oberfläche viele Bereiche gleichzeitig zeigt. Eine Anleitung für die ersten Schritte gibt das Kdenlive Tutorial.

Shotcut: der Schlanke

Shotcut setzt wie Kdenlive auf das MLT-Framework, verfolgt aber ein anderes Bedienkonzept. Die Oberfläche startet aufgeräumt, weitere Bereiche wie Filter, Verlauf oder Scopes werden bei Bedarf eingeblendet. Shotcut öffnet sehr viele Formate direkt, ohne sie vorher umzuwandeln, und eignet sich gut für schnelles Schneiden und Exportieren.

Effekte heißen in Shotcut Filter und werden auf Clips oder ganze Spuren angewendet. Für Titel gibt es Textfilter, die für einfache Einblendungen reichen. Wer aufwendige animierte Titel braucht, ist mit Kdenlive besser bedient.

OpenShot: der Einfache

OpenShot richtet sich klar an Einsteiger. Clips werden per Drag and Drop in die Zeitleiste gezogen, Übergänge und Effekte ebenso. Titelvorlagen machen schnelle Einblendungen leicht, animierte 3D-Titel lassen sich mit dem freien Programm Blender erzeugen, wenn es installiert ist.

Bei großen Projekten mit vielen Spuren und hochauflösendem Material stößt OpenShot schneller an Grenzen als die beiden anderen. Für kurze Clips, Diashows und erste Gehversuche ist es dagegen eine gute Wahl.

Empfehlung nach Nutzertyp

  1. Einsteiger mit kurzen Clips: OpenShot. Wenig Einarbeitung, schnelle Erfolge.
  2. Pragmatiker, die viele Formate verarbeiten: Shotcut. Öffnet fast alles direkt und exportiert schnell.
  3. Ambitionierte Hobbyfilmer mit längeren Projekten: Kdenlive. Größter Funktionsumfang, gute Werkzeuge für Titel, Farbe und Untertitel.
  4. Digitalisierte Kassetten aufbereiten: Kdenlive oder Shotcut, beide gehen gut mit interlaced Material um. Für das reine Zuschneiden ohne Neukodierung eignet sich zusätzlich ein Werkzeug wie LosslessCut.

Installation unter Linux

Alle drei Programme gibt es in den Paketquellen der großen Distributionen, als Flatpak über Flathub und teilweise als AppImage auf den Projektseiten. Die Versionen in den Paketquellen sind manchmal älter. Flatpak und AppImage liefern meist die aktuelle Fassung mit allen benötigten Bibliotheken.

Was alle drei gemeinsam haben

  • Kostenlos und quelloffen: keine Abos, keine Wasserzeichen, keine Exportgrenzen.
  • Plattformübergreifend: Projekte lassen sich zwischen Linux, Windows und macOS weiterbearbeiten, solange die Medien am gleichen Ort liegen.
  • ffmpeg im Hintergrund: Alle drei nutzen ffmpeg-Bibliotheken zum Lesen und Schreiben der Formate.
  • Aktive Entwicklung: Neue Versionen erscheinen regelmäßig. Es lohnt sich, aktuell zu bleiben.

Und die kommerziellen Programme?

Neben den freien Programmen gibt es leistungsfähige kommerzielle Software, teils mit kostenloser Grundversion. Einen Vergleich für Windows, Mac und Linux bietet der Ratgeber Videoschnittprogramme im Vergleich. Was die Gratis-Version von DaVinci Resolve leistet, beschreibt der Ratgeber DaVinci Resolve kostenlos.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welches freie Schnittprogramm ist am einfachsten?
OpenShot gilt als besonders einsteigerfreundlich, weil die Oberfläche übersichtlich ist und viele Funktionen per Drag and Drop funktionieren. Für kurze Clips und einfache Diashows reicht es gut aus.
Welches Programm ist am stabilsten?
Das hängt stark von Version, System und Material ab. Kdenlive und Shotcut haben in den letzten Jahren viel an Stabilität gewonnen. Nutzen Sie die aktuelle Version und speichern Sie regelmäßig.
Gibt es Wasserzeichen oder Einschränkungen?
Nein. Alle drei Programme sind freie Software ohne Wasserzeichen, Exportgrenzen oder kostenpflichtige Zusatzfunktionen.
Was ist mit DaVinci Resolve?
DaVinci Resolve ist in der Grundversion kostenlos und sehr leistungsfähig, aber kein quelloffenes Programm und stellt höhere Anforderungen an die Hardware. Ein eigener Ratgeber beschreibt, was die Gratis-Version kann.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Munich Vision. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.